Biographie

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“Das Gespräch mit Ayn Rand war ungefähr so, als würde ich eine Schachpartie beginnen in dem Glauben, ich sei ein Großmeister, um nach wenigen Zügen festzustellen, dass ich schachmatt war.” - Alan Greenspan (aus: Mein Leben für die Wirtschaft)

AYN RAND

Amerikanische Schriftstellerin und Philosophin russischer Herkunft. Rand wurde am 2. Februar 1905 in St. Petersburg als Alisa Rosenbaum geboren. 1926 immigrierte sie in die USA und nimmt dort den Namen Ayn Rand an, den sie aus der kyrillischen Schreibweise ihres Nachnames abgeleitet hatte. Rands Roman Atlas Shrugged (dt: “Wer ist John Galt“) wird auch über fünfzig Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen in den USA immer noch stark nachgefragt und gilt es einer der einflussreichsten Werke der amerikanischen Belletristik. In einer landesweiten Umfrage innerhalb der USA wurde 1991 nach den Büchern gefragt, die das Leben der Leser am stärksten verändert hätten: Atlas Shrugged landete nach der Bibel auf dem 2. Platz. Trotz zahlreicher Übersetzungen -auf der Website des Ayn Rand Institute sind  Übersetzungen in insgesamt 18 Sprachen aufgeführt- sind die Verkaufszahlen von Rands Büchern außerhalb der Vereinigten Staaten vergleichsweise gering. Von den zeitgenössischen Schriftstellern, die von Rand beeinflusst wurden, ist vor allem dem der Fantasy-Autor Terry Goodkind zu nennen. Goodkind bezeichnet sich auf seiner offiziellen Website selbst als Objektivisten. Seine Meinung über Ayn Rand: “Ich glaube, sie war die brillianteste Denkerin seit Aristoteles.” 

RUSSLAND

Alisa war das erste Kind des Apothekers Zinovy Rosenbaum und seiner Frau Anna. Später sollte das Ehepaar noch die Töchter Natalia und Eleanora bekommen. Bereits früh entwickelte Alisa ein ausgeprägtes Interesse für Literatur. Bereits in der Schule hatte sie über einen Roman nachgedacht, in dem ein englisches Mädchen versucht, in die Armee zu kommen, um am Krieg gegen Deutschland teilzunehmen. Trotz ihrer Zurückweisung gelingt es ihr schließlich, den Behörden ihren Eintritt in die Armee abzutrotzen, wo sie sich als große Heldin erweist, die an der englischen Küste eigenhändig durch eine MG-Stellung die deutschen Truppen zurückschlägt. Im Alter von neun Jahren entdeckte sie in einem französischen Magazin für Jungen die Fortsetzungsgeschichte The Mysterious Valley von Maurice Champagne, der mit der Figur des britischen Offiziers Cyrus Paltons, den Typus eines heroischen Menschens geschaffen hatte, der sie enorm beeindrucken sollte und der ihr lebenslänglicher geistiger Begleiter sein würde. Ihre ästhetische Theorie sollte sie später “romantischen Realismus” nennen. Das Leben sollte nicht so beschrieben werden, wie es ist, sondern so, wie es sein könnte und sein sollte. Von 1921 an studierte sie Philosophie und Geschichte an der Staatsuniversität in Petrograd. Während ihres ersten Jahres an der Universität in Petrograd äußerte sie offen antisowjetische Auffassungen, was ihr im Anschluss aber gleich wieder leid tat, weil ihr bewußt wurde, dass sie dadurch ihre Familie in Gefahr hätte bringen können. Einmal etwa sagte sie einem kommunistischen Studenten, dass er und seinesgleichen bald von den Laternenpfählen hängen würden. In ihrer mündlichen Prüfung hatte sie dem Professor zu verstehen gegeben, dass sie beabsichtige, eine eigene Philosophie zu formulieren. Sie teilt den glühenden Antikommunismus ihres Vaters, dessen Apotheke nach der kommunistischen Machtübernahme nationalisiert worden war. Später sollte ihr Vater zum Vorbild für die Romanfigur des Vasili Dunaev in We the Living werden. Ende 1925 erhielt Alisa ihren sowjetischen Pass und 17. Januar 1926 begann sie ihre Reise in die USA, wo sie zunächst bei Verwandten der Familie in Chicago unterkommen wollte. Vater Zinovy ahnte, dass die Abreise seiner Tochter der Beginn einer Erfolgsgeschichte sein könnte, und so äußerte er nach der Abfahrt des Zuges etwas, was mehr war als nur eine vage Hoffnung: “Wartet nur, wartet nur. Alisa wird der Welt noch zeigen, wer sie ist.” Zinovy Rosenbaums Ahnung sollte nicht trügen, aber ein Wiedersehen mit seiner Tochter sollte es nicht geben. Alisa Rosenbaum sollte das Land ihrer Geburt nie wieder betreten und alle Versuche, ihrer Familie eine Ausreise in die USA zu ermöglichen, scheiterten. Ihr Vater Zinovy Zacharovich Rosenbaum starb 1939 und ihre Mutter Anna Borisovna Rosenbaum im folgenden Jahr. Ihre Schwester Natalia starb 1942 bei einem Luftangriff. Lediglich ihre jüngste Schwester Eleanora konnte Ayn Rand noch einmal wiedersehen,  als diese im April 1974 in die USA reisen durfte. Dieses Wiedersehen nach den Jahrzehnten der Trennung verlief allerdings anders, als Ayn Rand es sich erwartet hatte. Ihrer Schwester missfiel ihre Arbeit und ihre Philosophie, und sie kehrte schließlich freiwillig in die Sowjetunion zurück - zur großen Enttäuschung ihrer berühmten Schwester.

AMERIKA

Rands amerikanische Karriere begann mit einer zufälligen Begegnung in Hollywood mit dem bekannten Regisseur Cecil B. DeMille, der ihr eine Rolle als Komparsin in dem Film The King of Kings gab. Bereits der von DeMille 13. September 1926 unterzeichnete Zugangspass trägt den Namen “Rand”. 1929 heiratete sie den Schauspieler Frank O’Connor in Los Angeles. Die Ehe sollte erst über 50 Jahre später mit dem Tod von O’Connor enden. “All meine Helden werden immer nur Reflektionen von Frank sein”, äußerte sie über ihren Ehemann, dessen schlanke, großgewachsene Gestalt Erinnerungen an Cyrus Paltons wecken. O’Connor sollte während der gesamten Zeit ihrer Ehe ein ideologischer Verbündeter und eine Quelle der Inspiration sein. “Dass O’Connor Rands Philosophie teilte, kann nicht bezweifelt werden”, schreibt James S. Valliant in seinem Buch The Passion of Ayn Rand’s Critics. 1931 wurde Rand amerikanische Staatsbürgerin. 1932 gelang es ihr, für 1 500 $ ihr erstes Drehbuch an Universal Pictures zu verkaufen: Red Pawn. Die Einkünfte von Red Pawn versetzten sie in die Lage, sich vollständig der Fertigstellung ihres ersten Romans We the Living zu widmen, den sie 1934 beendete, der aber erst 1936 veröffentlicht wird. Der Roman trägt stark autobiografische Züge. In der Phase der Arbeit an We the Living verfaßte sie die Novelle Anthem, in der Menschen in einer futuristischen Gesellschaft beschrieben werden, die das Wort “ich” aus ihrem Vokabular (und den Köpfen der Menschen) verbannt hat. 1934 gelang ihr ein erster kommerzieller Erfolg durch die Realisierung des Theaterstücks Woman on Trial. Nachdem sie drei Jahre in einem Architekturbüro recherchiert hatte -Rand besaß vorher keinerlei Erfahrungen oder Kenntnisse auf dem Gebiet der Architektur-, begann Ayn Rand 1938 die Arbeit an ihrem Roman The Fountainhead, die sie dann am 31.12.1942, abschloss. Das Thema des Buches beschrieb sie später als “Individualismus versus Kollektivismus, nicht in der Politik, sondern in der Seele des Menschen.” Aber The Fountainhead sollte nur eine “Ouvertüre”-wie sie es später selbst formulierte- darstellen, zu dem, was folgen sollte: Atlas Shrugged.

ATLAS SHRUGGED

Die Idee zu dem Roman, der schließlich den Titel Atlas Shrugged tragen sollte, kam Ayn Rand bei einem Telefonat mit einer Bekannten im Jahr 1943. Diese wollte Rand dazu drängen, ihre Leser durch eine nichtfiktive Darstellung ihrer Philosophie aufzuklären. Rand reagiert unwirsch auf einen derartigen Vorschlag, da sie der Ansicht war, ihre Verpflichtung erfüllt zu haben und jedem aufmerksamen Leser ihre Intention klar geworden sein sollte. Sie fragte sich laut, was wohl passieren würde, wenn alle kreativen Menschen in den Streik treten würden, um derartige Verpflichtungen abzuwehren. Sie hielt dies für eine gute Ideen für einen Roman und ihr anwesender Ehemann pflichtete ihr bei. Die Umsetzung dieser Idee in einen fertigen Roman sollte schließlich 14 Jahre in Anspruch nehmen und aus dem ursprünglichen Titel “The Strike” wurde Atlas Shrugged, eigentlich nur der Titel eines Kapitels des Romans. Der Roman zeigt den stillen Rückzug von fähigen Menschen aus allen Bereichen aus einer Gesellschaft, die sich durch Anwendung kollektivistischer Konzepte in einem unaufhörlichen Niedergang befindet. Allein zwei Jahre ihrer Arbeitskraft investierte Rand in “Galts Speech”, einer Rede ihres Protagonisten John Galt, dem Rand beinahe 35 000 Wörter in dem Mund legt, um damit ihre gesamte Philosophie zusammenzufassen.Am 10. Oktober 1957 bringt das Verlagshaus Random House Atlas Shrugged auf den Markt. Negative Besprechungen wirken sich nur anfänglich hemmend auf die Verkaufszahlen aus, denn die Leser, die der Roman fand, beförderten ihn durch Mundpropaganda innerhalb von zwei Monaten in die Top 10 der Bestsellerliste der New York Times, wo der Roman insgesamt 18 Wochen bleiben sollte. Jim Peron nennt Atlas Shrugged zweifellos einen “der einflussreichsten Romane, der je geschrieben wurde.” Nachdem Ayn Rand Atlas Shrugged abgeschlossen hatte, hat sie sich dem Schreiben von Sachliteratur und gelegentlichen Vorträgen gewidmet. Sie wollte dadurch einem breiterem Publikum ihre Philosophie nahe bringen und diese auf politische und kulturelle Fragen anwenden.

OBJEKTIVISMUS

Ayn Rand wählte für ihre Philosophie den Namen “Objektivismus”. Sie lehnt jeden Mystizismus ab und betont, dass die Vernunft das einzige Werkzeug des Überlebens für den Menschen ist. Auf einer Konferenz mit Buchhändlern vor der Veröffentlichung ihres Romans Atlas Shrugged erläuterte sie die Essenz ihrer Philosophie folgendermaßen: 1. Metaphysik: Objektive Realität 2. Epistemologie: Vernunft 3. Ethik: Selbstinteresse 4. Politik: Kapitalismus. Als Rand 1976 bei einer Vortragsveranstaltung gefragt wird, ob es außer Ayn Rand und Aristoteles noch andere Philosophen gebe, die bedeutende philosophische Wahrheiten identifiziert hätten, erwähnt sie Thomas Aquinas, der am Ende des Mittelalters die Philosophie von Aristoteles nach Europa zurückgebracht habe. Aristoteles attestierte Rand zwar einige Fehler , aber in ihren Augen war er ein philosophischer Atlas, der die gesamte westliche Zivilisation auf seinen Schultern trägt. Als ihren philosophischen Gegenspieler machte sie den deutschen Philosophen Immanuel Kant aus, den sie bescheinigt, dass er der “böseste Mensch in der Geschichte der Menschheit” sei und dessen Philosophie in allen zentralen Punkten das exakte Gegenteil des Objektivismus sei. Philosophie war für Rand kein weltfremde Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm. Für sie war die Philosophie nur ein Mittel, ein absolut notwendiges zwar, aber gleichwohl nur ein Mittel, um in ihrer Literatur eine Welt zu schaffen, in der sie gerne leben würde, die Welt des perfekten Menschen und seines perfekten Lebens.

DAS KOLLEKTIV

In den frühen fünfziger Jahren begann Rand, eine Gruppe von intellektuellen Seelenverwandten um sich zu sammeln, die sie nach dem Erscheinungsjahr von The Fountainhead  als “Klasse von ‘43″ (Class of ‘43) bezeichnete und die den Hauptteil ihrer sozialen Kontakt ausmachen sollte. Unter den Teilnehmern an dieser Diskussionsgruppe kursierte allerdings auch die scherzhafte Bezeichnung “Das Kollektiv”. Mitglieder des “Kollektivs” waren  junge Leute, die durch The Fountainhead mit ihren Ideen vertraut gemacht worden waren, Begeisterung entwickelten, und es schafften, sich ihr persönlich vorstellen zu können. Unter diesen Personen befand sich Leonard Peikoff, außerdem Alan Greenspan, der spätere Chef der amerikanischen Notenbank und der Psychologe Nathan Blumenthal (später Nathaniel Branden), zu dem die Beziehung erst 1968 abbrechen sollte, was Rand auch öffentlich in einem Artikel in der Zeitschrift The Objectivist (To Whom It May Concern) kundtun sollte. Mit dem 25 Jahre jüngerem Branden hatte Rand allerdings nicht nur eine intellektuelle und, nicht zu vergessen, geschäftliche Beziehung, sondern über mehrere Jahre auch eine romantische Beziehung -mit Zustimmung der jeweiligen Ehepartner der beiden Beteiligten-, die “wahrscheinlich ungefähr zu der Zeit der Veröffentlichung von Atlas Shrugged endete”, wie Jeff Britting vermutet. Zusammen mit seiner Frau Barbara, die ebenfalls zum inneren Kreis der Objektivisten gehörte (die Ehe bestand von 1953 bis 1965), veröffentlichte er im Jahr 1962 das Buch Who is Ayn Rand? , das -neben mehreren Aufsätzen von Branden selbst- eine von Barbara Branden verfaßte biographische Studie enthält, für die Ayn Rand von beiden Autoren intensiv interviewt worden war. Auf die genannten Interviews griffen beide Autoren nach ihrer Trennung von Rand zurück, als sie unabhängig voneinander Bücher über ihre Zeit im Umfeld von Ayn Rand verfaßten. Beide Bücher sind eine Mischung aus Kritik an Rands Verhalten und Psychologie, gepaart mit anerkennenden Bemerkungen. Ohne Zweifel war Alan Greenspan der berühmteste aus der Gruppe um Rand, der er insgesamt 15 Jahre angehören sollte.  Ein ehemaliger Kommilitone von der New York University (NYU), Robert Kavesh, berichtete von den Veränderungen, die er an seinem Freund Mitte der fünfziger Jahre bemerkte: „Er begeisterte sich wirklich für den Objektivismus. Er sprach ständig vom „Überprüfen der Prämissen“ und solchen Dingen. Wenn man Kinder hat, ist es schwer, philosophisch zu werden. Man denkt praktischer.“ Nach Ayn Rands Tod wurde Greenspan 1987 von Präsident Reagan für den Posten des Präsidenten der Notenbank nominiert und schließlich auch durch den Senat bestätigt. 1974 war Ayn Rand nebst Ehemann bei der Vereidigung von Greenspan als Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates der Regierung Ford noch zugegen gewesen, und ihre Teilnahme an der Zeremonie kann sicherlich als Billigung dieser politischen Funktion angesehen werden. Über Greenspans Aufstieg zum einflussreichen Chef der Fed konnte Rand keine Meinung mehr abgeben, andere Objektivisten, bekannte und weniger bekannte, allerdings schon, wobei die skeptischen Nachfragen, ob Greenspan nicht seine Meinung geändert habe, immer mehr durch offene Ablehnung seiner Rolle bei der Regulierung der Wirtschaft ersetzt wurden. Bert Ely etwa formuliert ein richtiges Verdammungsurteil über Greenspan: „Ayn Rand würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüsste, was aus Greenspan geworden ist. Zentralbankwesen ist zentrale Planwirtschaft. Und da haben wir den großen Objektivisten, an der Spitze dieser Organisation. Alan Greenspan hat sich wirklich für die Politik prostituiert. Auch der Wirtschaftsberater und Objektivist Richard Salsman wirft Greenspan Verrat von Prinzipien vor: „Greenspans Geschichte handelt von der schrittweisen Preisgabe von Prinzipien. Alle denken, er hat sich verkauft. Einige Leute denken, dass er tut, was er als Teil eines ziemlich lächerlichen Regimes tun kann, um unserer Sache damit Zeit zu gewinnen. Ich denke, er hat einen sehr ausgeprägten politischen Instinkt entwickelt. Irgendwo auf seinem Weg muss er sich entschieden haben, dass es ihm wichtiger ist, berühmt zu sein, als Recht zu haben. Er wollte offenbar lieber einflussreich sein.“ Der 1933 in Kanada geborene Leonard Peikoff lernte Rand 1951 in Kalifornien kennen, kurz bevor Ayn Rand mit ihrem Ehemann wieder nach New York zog. Peikoff ist der Vetter von Barbara Branden, die wie er ebenfalls aus dem kanadischen Winnipeg stammt. Peikoff verließ Kanada 1953 und studierte an der New York University Philosophie. In dem New Yorker Apartment von Rand versammelte sich die Gruppe ihrer Anhänger regelmäßig an Samstagabenden, um gemeinsam mit ihrer Vordenkerin philosophische Fragen zu diskutieren, und vor allem, um Rands Manuskripte von Atlas Shrugged zu lesen und zu diskutieren. Oft zogen sich die Diskussionen bis in den frühen Morgen hin. New York schätzte Rand ganz besonders, ganz im Gegensatz zu Hollywood: “Mir fehlt New York, auf eine seltsame Art, mit einem Heimweh, das ich nie zuvor für irgendeinen Platz auf Erden gespürt habe. Ich bin verliebt in New York, und ich meine nicht, dass ich die Stadt liebe, sondern, dass ich in sie verliebt bin.”

VICTOR HUGO

So wie Rand Aristoteles auf dem Feld der Philosohie schätzte, liebte sie die Arbeiten des französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802 - 1885), den sie in ihren Jugendtagen entdeckte und den sie auch später immer wieder las. Für sie war er der “größte Romanautor der Weltliteratur”. Diese Bewunderung wurde auch nicht dadurch geschmälert, dass sie Hugos explizite Philosophie nicht teilte. Während der Vorbereitungen zu Atlas Shrugged las Rand Les Miserables erneut, um zu sehen wie Hugo die lange Erzählung strukturiert hatte. In dem 1972 erschienen Aufsatz The Stimulus and the Response (in: Philosophy: Who Needs It) zitiert sie Hugo: “… und er pries Gott dafür, dass er ihm zwei Reichtümer gegeben hatte, an denen es sogar viele Reichen mangelt: Arbeit, die ihm die Freiheit gab, und Gedanken, die ihm die Würde gaben.” Und sie fügte hinzu: “Victor Hugo kannte diese beiden Essentials, die das menschliche Leben erfordert.”

VERMÄCHTNIS

Ayn Rand stirbt am 6. März 1982 in ihrem New Yorker Apartment an Herzversagen. Sie wurde auf dem Kensico Cemetery in Valhalla, N. Y., neben ihrem Mann beerdigt. 13 Jahre vor ihrem Tod war sie bei einer Vortragsveranstaltung von einem Zuhörer gefragt worden über ihren Tod befragt worden: “Ich nehme an, dass man mich beerdigen wird. Ich glaube nicht an Mystizismus oder ein Leben nach dem Tod. Das bedeutet nicht, dass ich glaube, dass der menschliche Geist notwendigerweise materialistisch ist; aber er ist auch nicht mystisch. Wir wissen, dass wir einen Geist und einen Körper haben, und dass der eine nicht ohne den anderen existieren kann. Deshalb, wenn ich sterbe, wird dies das Ende für mich sein. Ich denke aber nicht, dass dies das Ende meiner Philosophie sein wird.” Nach ihrem Tod wird von ihrem Schüler Leonard Peikoff, den die kinderlose Rand auch zu ihrem Erben bestimmt hatte, das Ayn Rand Institute gegründet, das die Aufgabe hat, Rands Philosophie zu verbreiten und zukünftige objektivistische Intellektuelle auszubilden. Der Objektivismus wird heute -neben dem ARI- vor allem von dem amerikanischen Finanzdienstleister BB&T finanziell und ideell unterstützt. Die firmeneigene Philosophie ist stark von objektivistischen Prinzipien geprägt. Punkt 1 der “Werte” des Unternehmens ist “Realität”: “Was ist, ist. Wenn wir besser sein wollen, müssen wir innerhalb des Kontext der Realität handeln (den Fakten). Unternehmen und Personen machen oft ernsthafte Fehler dadurch, dass sie Entscheidungen treffen, die auf reinem Wunschdenken basieren, oder auf Theorien, die von der Realität abgekoppelt sind.”

ÜBRIGENS

1999 ehrte die US-Post Ayn Rand mit der Herausgabe einer Briefmarke, die von Nicholas Gaetano gestaltet wurde.