Biographie

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"Das Gespräch mit Ayn Rand war ungefähr so, als würde ich eine Schachpartie beginnen in dem Glauben, ich sei ein Großmeister, um nach wenigen Zügen festzustellen, dass ich schachmatt war." – Alan Greenspan (aus: Mein Leben für die Wirtschaft )

„Sie mag Katzen, Architektur, New York, Filme, und vor allem, Ideen.“ – Isabel Paterson (über Ayn Rand am 23. September 1945, in: New York Herald Tribune)

AYN RAND

Amerikanische Schriftstellerin und Philosophin russischer Herkunft. Rand wurde am 2. Februar 1905 in St. Petersburg als Alisa Rosenbaum geboren. 1926 immigrierte sie in die USA und nimmt dort den Namen Ayn Rand an, den sie aus der kyrillischen Schreibweise ihres Nachnames abgeleitet hatte. Rands Roman Atlas Shrugged (dt: "Wer ist John Galt ") wird auch über fünfzig Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen in den USA immer noch stark nachgefragt und gilt es einer der einflussreichsten Werke der amerikanischen Belletristik. In einer landesweiten Umfrage innerhalb der USA wurde 1991 nach den Büchern gefragt, die das Leben der Leser am stärksten verändert hätten: Atlas Shrugged landete nach der Bibel auf dem 2. Platz. Trotz zahlreicher Übersetzungen -auf der Website des Ayn Rand Institute sind Übersetzungen in insgesamt 18 Sprachen aufgeführt- sind die Verkaufszahlen von Rands Büchern außerhalb der Vereinigten Staaten vergleichsweise gering. Von den zeitgenössischen Schriftstellern, die von Rand beeinflusst wurden, ist vor allem dem der Fantasy-Autor Terry Goodkind zu nennen. Goodkind bezeichnet sich auf seiner offiziellen Website selbst als Objektivisten. Seine Meinung über Ayn Rand: "Ich glaube, sie war die brillianteste Denkerin seit Aristoteles."

RUSSLAND

Alisa war das erste Kind des Apothekers Zinovy Rosenbaum und seiner Frau Anna. Später sollte das Ehepaar noch die Töchter Natalia und Eleanora bekommen. Bereits früh entwickelte Alisa ein ausgeprägtes Interesse für Literatur. Bereits in der Schule hatte sie über einen Roman nachgedacht, in dem ein englisches Mädchen versucht, in die Armee zu kommen, um am Krieg gegen Deutschland teilzunehmen. Trotz ihrer Zurückweisung gelingt es ihr schließlich, den Behörden ihren Eintritt in die Armee abzutrotzen, wo sie sich als große Heldin erweist, die an der englischen Küste eigenhändig durch eine MG-Stellung die deutschen Truppen zurückschlägt. Im Alter von neun Jahren entdeckte sie in einem französischen Magazin für Jungen die Fortsetzungsgeschichte The Mysterious Valley von Maurice Champagne, der mit der Figur des britischen Offiziers Cyrus Paltons, den Typus eines heroischen Menschens geschaffen hatte, der sie enorm beeindrucken sollte und der ihr lebenslänglicher geistiger Begleiter sein würde. Ihre ästhetische Theorie sollte sie später “romantischen Realismus” nennen. Das Leben sollte nicht so beschrieben werden, wie es ist, sondern so, wie es sein könnte und sein sollte. Von 1921 an studierte sie Philosophie und Geschichte an der Staatsuniversität in Petrograd. Während ihres ersten Jahres an der Universität in Petrograd äußerte sie offen antisowjetische Auffassungen, was ihr im Anschluss aber gleich wieder leid tat, weil ihr bewußt wurde, dass sie dadurch ihre Familie in Gefahr hätte bringen können. Einmal etwa sagte sie einem kommunistischen Studenten, dass er und seinesgleichen bald von den Laternenpfählen hängen würden. In ihrer mündlichen Prüfung hatte sie dem Professor zu verstehen gegeben, dass sie beabsichtige, eine eigene Philosophie zu formulieren. Sie teilt den glühenden Antikommunismus ihres Vaters, dessen Apotheke nach der kommunistischen Machtübernahme nationalisiert worden war. Später sollte ihr Vater zum Vorbild für die Romanfigur des Vasili Dunaev in We the Living werden. Ende 1925 erhielt Alisa ihren sowjetischen Pass und 17. Januar 1926 begann sie ihre Reise in die USA, wo sie zunächst bei Verwandten der Familie in Chicago unterkommen wollte. Vater Zinovy ahnte, dass die Abreise seiner Tochter der Beginn einer Erfolgsgeschichte sein könnte, und so äußerte er nach der Abfahrt des Zuges etwas, was mehr war als nur eine vage Hoffnung: “Wartet nur, wartet nur. Alisa wird der Welt noch zeigen, wer sie ist.” Zinovy Rosenbaums Ahnung sollte nicht trügen, aber ein Wiedersehen mit seiner Tochter sollte es nicht geben. Alisa Rosenbaum sollte das Land ihrer Geburt nie wieder betreten und alle Versuche, ihrer Familie eine Ausreise in die USA zu ermöglichen, scheiterten. Ihr Vater Zinovy Zacharovich Rosenbaum starb 1939 und ihre Mutter Anna Borisovna Rosenbaum im folgenden Jahr. Ihre Schwester Natalia starb 1942 bei einem Luftangriff. Lediglich ihre jüngste Schwester Eleanora konnte Ayn Rand noch einmal wiedersehen, als diese im April 1974 in die USA reisen durfte. Dieses Wiedersehen nach den Jahrzehnten der Trennung verlief allerdings anders, als Ayn Rand es sich erwartet hatte. Ihrer Schwester missfiel ihre Arbeit und ihre Philosophie, und sie kehrte schließlich freiwillig in die Sowjetunion zurück – zur großen Enttäuschung ihrer berühmten Schwester.

AMERIKA

Rands amerikanische Karriere begann mit einer zufälligen Begegnung in Hollywood mit dem bekannten Regisseur Cecil B. DeMille, der ihr eine Rolle als Komparsin in dem Film The King of Kings gab. Bereits der von DeMille 13. September 1926 unterzeichnete Zugangspass trägt den Namen “Rand”. 1929 heiratete sie den Schauspieler Frank O’Connor in Los Angeles. Die Ehe sollte erst über 50 Jahre später mit dem Tod von O’Connor enden. “All meine Helden werden immer nur Reflektionen von Frank sein”, äußerte sie über ihren Ehemann, dessen schlanke, großgewachsene Gestalt Erinnerungen an Cyrus Paltons wecken. O’Connor sollte während der gesamten Zeit ihrer Ehe ein ideologischer Verbündeter und eine Quelle der Inspiration sein. “Dass O’Connor Rands Philosophie teilte, kann nicht bezweifelt werden”, schreibt James S. Valliant in seinem Buch The Passion of Ayn Rand’s Critics. 1931 wurde Rand amerikanische Staatsbürgerin. 1932 gelang es ihr, für 1 500 $ ihren ersten Drehbuchentwurf („Treatment“) an Universal Pictures zu verkaufen: Red Pawn. Die Geschichte, die in der Sowjetunion spielt, wurde allerdings bis zum heutigen nicht in einem Film umgesetzt. Die Einkünfte von Red Pawn versetzten sie in die Lage, sich vollständig der Fertigstellung ihres ersten Romans We the Living zu widmen, den sie 1934 beendete, der aber erst 1936 veröffentlicht wird. Der Roman trägt stark autobiografische Züge. In der Phase der Arbeit an The Fountainhead verfaßte sie die Novelle Anthem, in der Menschen in einer futuristischen Gesellschaft beschrieben werden, die das Wort “ich” aus ihrem Vokabular (und den Köpfen der Menschen) verbannt hat. Die Arbeit an „Anthem“ nahm ungefähr drei Monate in Anspruch. Die Idee für das Buch ging zurück auf Rands Schultage in Russland, als sie all die „bösartigen Attacken“ auf den Individualismus hörte und sich selbst die Frage stellte, wie die Welt wohl aussehen würde, wenn die Menschen das Wort „ich“ verlieren würden. Rands Agentin gelang es allerdings nicht einen Verleger für die Novelle zu begeistern und so wurde es erst im Jahr 1946 in den USA veröffentlicht. In Großbritannien kam das Buch allerdings schon im Jahr 1938 auf den Markt, und wurde dort auch ein Erfolg. 1934 gelang Rand allerdings in den USA ein erster kommerzieller Erfolg durch die Realisierung des Theaterstücks Woman on Trial. Nachdem sie drei Jahre in einem Architekturbüro recherchiert hatte -Rand besaß vorher keinerlei Erfahrungen oder Kenntnisse auf dem Gebiet der Architektur-, begann Ayn Rand 1938 die Arbeit an ihrem Roman The Fountainhead, die sie dann am 31.12.1942, abschloss. Das Thema des Buches beschrieb sie später als “Individualismus versus Kollektivismus, nicht in der Politik, sondern in der Seele des Menschen.” Aber The Fountainhead sollte nur eine “Ouvertüre”-wie sie es später selbst formulierte- darstellen, zu dem, was folgen sollte: Atlas Shrugged.

ATLAS SHRUGGED

Die Idee zu dem Roman, der schließlich den Titel Atlas Shrugged tragen sollte, kam Ayn Rand bei einem Telefonat mit einer Bekannten im Jahr 1943. Diese wollte Rand dazu drängen, ihre Leser durch eine nichtfiktive Darstellung ihrer Philosophie aufzuklären. Rand reagiert unwirsch auf einen derartigen Vorschlag, da sie der Ansicht war, ihre Verpflichtung erfüllt zu haben und jedem aufmerksamen Leser ihre Intention klar geworden sein sollte. Sie fragte sich laut, was wohl passieren würde, wenn alle kreativen Menschen in den Streik treten würden, um derartige Verpflichtungen abzuwehren. Sie hielt dies für eine gute Ideen für einen Roman und ihr anwesender Ehemann pflichtete ihr bei. Die Umsetzung dieser Idee in einen fertigen Roman sollte schließlich 14 Jahre in Anspruch nehmen und aus dem ursprünglichen Titel “The Strike” wurde Atlas Shrugged, eigentlich nur der Titel eines Kapitels des Romans. Der Roman zeigt den stillen Rückzug von fähigen Menschen aus allen Bereichen aus einer Gesellschaft, die sich durch Anwendung kollektivistischer Konzepte in einem unaufhörlichen Niedergang befindet. Allein zwei Jahre ihrer Arbeitskraft investierte Rand in “Galts Speech”, einer Rede ihres Protagonisten John Galt, dem Rand beinahe 35 000 Wörter in dem Mund legt, um damit ihre gesamte Philosophie zusammenzufassen. Am 10. Oktober 1957 bringt das Verlagshaus Random House Atlas Shrugged auf den Markt. „Die Kritiken waren brutal“, schreibt Justin Martin in seiner Biographie über Alan Greenspan. Auf eine äußerst feindselige Besprechung durch Granville Hicks ,der in der New York Times behauptet hatte, dass Atlas Shrugged aus Hass heraus geschrieben worden wäre, erwiderte Alan Greenspan in einem Leserbrief: „Mr. Hicks fragt sich misstrauisch, ‚was das für ein Mensch ist, der eine solche Stimmung über 1168 Seiten und vierzehn Jahre Arbeit‘ aufrechterhalten kann. Dieser Leser fragt sich, was für ein Mensch unnachgiebige Gerechtigkeit so verstörend findet.“ Wie Leonard Peikoff allerdings in einem Interview mit der Zeitschrift The Intellectual Activist bemerkte, war Rand von den ablehnenden Kritiken nicht enttäuscht, da sie nichts anderes erwartet hatte. Negative Besprechungen wie die von Hicks wirken sich nur anfänglich hemmend auf die Verkaufszahlen aus, denn die Leser, die der Roman fand, beförderten ihn durch Mundpropaganda innerhalb von zwei Monaten in die Top 10 der Bestsellerliste der New York Times, wo der Roman insgesamt 18 Wochen bleiben sollte. Jim Peron nennt Atlas Shrugged zweifellos einen “der einflussreichsten Romane, der je geschrieben wurde.”

Die Zeit nach „Atlas Shrugged“

Mit der Veröffentlichung von Atlas Shrugged endete der Abschnitt in Ayn Rands Leben, der geprägt war von der Arbeit an ihren Romanen. Für die nun 52 jährige Rand begann die Zeit, wo sie als Sachbuchautorin, Herausgeberin von Zeitschriften, Kolumnistin und Rednerin aktiv werden sollte. Im Jahr 1961 erschien mit „For The New Intellectual“ das erste von insgesamt sieben Sachbüchern, das Auszüge aus ihren Romanen enthielt und außerdem den Aufsatz, der dem Buch seinen Titel geben sollte: „For the New Intellectual“. Diese neuen Intellektuellen, die Ayn Rand sich für eine intellektuelle Renaissance wünschte, sollten als Mindestvoraussetzung akzeptieren, dass Gefühle keine Quelle der Erkenntnis seien und dass kein Mensch das Recht habe, Zwang gegen andere zu initiieren. Im Vorwort ihres ersten Sachbuches gibt Rand außerdem bekannt, dass sie als Namen für ihre Philosophie „Objektivismus“ gewählt hat. Im Jahr 1962 begann Rand mit der Herausgabe der Zeitschrift „The Objectivist Newsletter“, die erste von insgesamt drei Zeitschriften, die sie im Laufe der Zeit betreuen sollte. Die erste Ausgabe der Zeitschrift im Januar 1962 enthielt den Aufsatz „Check your Premises“ von Ayn Rand, wo sie analysiert, dass die heutige Kultur von Mystizismus, Altruismus und Kollektivismus dominiert sei, die die Grundlage für Etatismus bildeten. Außerdem gab es einen kurzen Auszug aus dem Buch „Who is Ayn Rand?“ von Nathaniel Branden, dessen Erscheinen in der Zeitschrift für den Juni 1962 angekündigt wird. Während des Jahres 1962 tritt Ayn Rand auch regelmäßig als Kolumnistin für die Los Angeles Times auf. In eine ihrer ersten Kolumnen beschäftigt sie sich mit der erfolgreichen Fernsehserie Die Unbestechlichen (1959 – 1963) um den FBI-Agenten Eliot Ness zu den Zeiten des Alkoholverbots in den USA. Ayn Rand schüttete in dem Artikel vom 8. Juli 1962 Lobeshymmnen über die Serie aus, die sie als „zutiefst moralische Sendereihe“ bezeichnete. Den Kritikern der Serie warf sie vor, sie für ihre Tugenden zu verdammen, für den Triumph über die Kriminellen und ihren moralischen Absolutismus. Die Gangster werden in der Serie als „verängstigte Ratten“ dargestellt, denen die Männer um Eliot Ness, dargestellt von Robert Stack, gegenüberstehen, der selbst bei ausgesprochen bleihaltiger Luft weder seine Contenance noch seinen Hut jemals verlieren würde: „Durch die nüchterne, ernste Verbissenheit in seinem Auftreten, das totale Selbstvertrauen sogar in Momenten einer vorübergehenden Niederlage, so total, dass sie es sich leisten kann, unbetont zu bleiben, die kontrollierte Intensität, das stille absolute Bekenntnis zu der moralischen Gerechtigkeit seiner Aufgabe, transportiert Stack die Integrität eines wahrhaft unbestechlichen Mannes – eines Mannes, den das Böse nicht in Versuchung führen kann, weil es ihm nichts anzubieten hat.“

OBJEKTIVISMUS

Ayn Rands Philosophie lehnt jeden Mystizismus ab und betont, dass die Vernunft das einzige Werkzeug des Überlebens für den Menschen ist. Auf einer Konferenz mit Buchhändlern vor der Veröffentlichung ihres Romans Atlas Shrugged erläuterte sie die Essenz ihrer Philosophie folgendermaßen: 1. Metaphysik: Objektive Realität 2. Epistemologie: Vernunft 3. Ethik: Selbstinteresse 4. Politik: Kapitalismus. Als Rand 1976 bei einer Vortragsveranstaltung gefragt wird, ob es außer Ayn Rand und Aristoteles noch andere Philosophen gebe, die bedeutende philosophische Wahrheiten identifiziert hätten, erwähnt sie Thomas Aquinas, der am Ende des Mittelalters die Philosophie von Aristoteles nach Europa zurückgebracht habe. Aristoteles attestierte Rand zwar einige Fehler , aber in ihren Augen war er ein philosophischer Atlas, der die gesamte westliche Zivilisation auf seinen Schultern trägt. Als ihren philosophischen Gegenspieler machte sie den deutschen Philosophen Immanuel Kant aus, den sie bescheinigt, dass er der “böseste Mensch in der Geschichte der Menschheit” sei und dessen Philosophie in allen zentralen Punkten das exakte Gegenteil des Objektivismus sei. Philosophie war für Rand kein weltfremde Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm. Für sie war die Philosophie nur ein Mittel, ein absolut notwendiges zwar, aber gleichwohl nur ein Mittel, um in ihrer Literatur eine Welt zu schaffen, in der sie gerne leben würde, die Welt des perfekten Menschen und seines perfekten Lebens.

DAS KOLLEKTIV

In den frühen fünfziger Jahren begann Rand, eine Gruppe von intellektuellen Seelenverwandten um sich zu sammeln, die sie nach dem Erscheinungsjahr von The Fountainhead als "Klasse von ‘43" (Class of ‘43) bezeichnete und die den Hauptteil ihrer sozialen Kontakte ausmachen sollte. Unter den Teilnehmern an dieser Diskussionsgruppe kursierte allerdings auch die scherzhafte Bezeichnung "Das Kollektiv". Mitglieder des "Kollektivs" waren junge Leute, die durch The Fountainhead mit ihren Ideen vertraut gemacht worden waren, Begeisterung entwickelten, und es schafften, sich ihr persönlich vorstellen zu können. Unter diesen Personen befand sich Leonard Peikoff, außerdem Alan Greenspan, der spätere Chef der amerikanischen Notenbank und der Psychologe Nathan Blumenthal (später Nathaniel Branden), zu dem die Beziehung erst 1968 abbrechen sollte, was Rand auch öffentlich in einem Artikel in der Zeitschrift The Objectivist (To Whom It May Concern) kundtun sollte. In dem New Yorker Apartment von Rand versammelte sich die Gruppe ihrer Anhänger regelmäßig an Samstagabenden, um gemeinsam mit ihrer Vordenkerin philosophische Fragen zu diskutieren, und vor allem, um Rands Manuskripte von Atlas Shrugged zu lesen und zu diskutieren. Oft zogen sich die Diskussionen bis in den frühen Morgen hin. New York schätzte Rand ganz besonders, ganz im Gegensatz zu Hollywood: Mir fehlt New York, auf eine seltsame Art, mit einem Heimweh, das ich nie zuvor für irgendeinen Platz auf Erden gespürt habe. Ich bin verliebt in New York, und ich meine nicht, dass ich die Stadt liebe, sondern, dass ich in sie verliebt bin.

DIE BRANDENS

Nach eigenen Angaben schrieb Branden im Jahr 1949 einen Brief an Rand, in dem er ihr einige philosophische Fragen stellte. Im März 1950 sei es dann zu einem persönlichen Zusammentreffen aufgrund einer Einladung von Rand in ihrem Haus gekommen – kurz vor Brandens 20. Geburtstag. Mit dem 25 Jahre jüngerem Branden hatte Rand allerdings nicht nur eine intellektuelle und, nicht zu vergessen, geschäftliche Beziehung, sondern über mehrere Jahre auch eine romantische Beziehung -mit Zustimmung der jeweiligen Ehepartner der beiden Beteiligten-, die "wahrscheinlich ungefähr zu der Zeit der Veröffentlichung von Atlas Shrugged endete", wie Jeff Britting vermutet. Zusammen mit seiner Frau Barbara, die ebenfalls zum inneren Kreis der Objektivisten gehörte (die Ehe bestand von 1953 bis 1965), veröffentlichte er im Jahr 1962 das Buch Who is Ayn Rand?, das -neben mehreren Aufsätzen von Branden selbst- eine von Barbara Branden verfaßte biographische Studie enthält, für die Ayn Rand von beiden Autoren intensiv interviewt worden war. Auf die genannten Interviews griffen beide Autoren nach ihrer Trennung von Rand zurück, als sie unabhängig voneinander Bücher über ihre Zeit im Umfeld von Ayn Rand verfaßten. Beide Bücher sind eine Mischung aus Kritik an Rands Verhalten und Psychologie, gepaart mit anerkennenden Bemerkungen. Nathaniel Branden machte seine „Differenzen“ gegenüber dem Objektivismus bereits 1984 in dem Aufsatz „The Benefits and Hazards of the Philosophy of Ayn Rand“ deutlich. Wie im Titel bereits angedeutet wird, beschreibt Branden in seinem Aufsatz nicht nur die „Gefahren“ des Objektivismus, sondern auch seine Vorteile, diese machen aber im Vergleich zu den von ihm ausgemachten Gefahren nur den weitaus kleineren Teil des Textes aus. Brandens Kritik am Objektivismus in diesem Text muss als grundlegende Abrechnung mit der Philosophie Rands eingestuft werden, denn sie geht über die Bennung von Fehlern in der Anwendung der Philosophie auf konkrete Problemstellungen hinaus, wozu etwa die Frage gehört, ob eine Frau den Wunsch haben sollte, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, worüber Rand einen Aufsatz geschrieben hatten, der auch unter Objektivisten stark diskutiert wurde, und auch heute noch wird.

LEONARD PEIKOFF

Den 1933 in Kanada geborene Leonard Peikoff lernte Rand 1951 in Kalifornien kennen, kurz bevor Ayn Rand mit ihrem Ehemann wieder nach New York zog. Peikoff ist der Vetter von Barbara Branden, die wie er ebenfalls aus dem kanadischen Winnipeg stammt. Peikoff verließ Kanada 1953 und studierte an der New York University Philosophie.

ALAN GREENSPAN

Ohne Zweifel war Alan Greenspan der berühmteste aus der Gruppe um Rand, der er insgesamt 15 Jahre angehören sollte. Ein ehemaliger Kommilitone von der New York University (NYU), Robert Kavesh, berichtete von den Veränderungen, die er an seinem Freund Mitte der fünfziger Jahre bemerkte: „Er begeisterte sich wirklich für den Objektivismus. Er sprach ständig vom „Überprüfen der Prämissen“ und solchen Dingen. Wenn man Kinder hat, ist es schwer, philosophisch zu werden. Man denkt praktischer.“ Nach Ayn Rands Tod wurde Greenspan 1987 von Präsident Reagan für den Posten des Präsidenten der Notenbank nominiert und schließlich auch durch den Senat bestätigt. 1974 war Ayn Rand nebst Ehemann bei der Vereidigung von Greenspan als Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates der Regierung Ford noch zugegen gewesen, und ihre Teilnahme an der Zeremonie kann sicherlich als Billigung dieser politischen Funktion angesehen werden. Über Greenspans Aufstieg zum einflussreichen Chef der Fed konnte Rand keine Meinung mehr abgeben, andere Objektivisten, bekannte und weniger bekannte, allerdings schon, wobei die skeptischen Nachfragen, ob Greenspan nicht seine Meinung geändert habe, immer mehr durch offene Ablehnung seiner Rolle bei der Regulierung der Wirtschaft ersetzt wurden. Bert Ely etwa formuliert ein richtiges Verdammungsurteil über Greenspan: „Ayn Rand würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüsste, was aus Greenspan geworden ist. Zentralbankwesen ist zentrale Planwirtschaft. Und da haben wir den großen Objektivisten, an der Spitze dieser Organisation. Alan Greenspan hat sich wirklich für die Politik prostituiert. Auch der Wirtschaftsberater und Objektivist Richard Salsman wirft Greenspan Verrat von Prinzipien vor: „Greenspans Geschichte handelt von der schrittweisen Preisgabe von Prinzipien. Alle denken, er hat sich verkauft. Einige Leute denken, dass er tut, was er als Teil eines ziemlich lächerlichen Regimes tun kann, um unserer Sache damit Zeit zu gewinnen. Ich denke, er hat einen sehr ausgeprägten politischen Instinkt entwickelt. Irgendwo auf seinem Weg muss er sich entschieden haben, dass es ihm wichtiger ist, berühmt zu sein, als Recht zu haben. Er wollte offenbar lieber einflussreich sein.“

LIBERTARIANISMUS

Seit dem Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts bildete sich in die USA eine politische Ideologie unter dem Namen „libertarianism“ heraus, die am klassischen Liberalismus anknüpfte, aber den Namen Liberalismus vermied, da dieser Begriff immer stärker von linken Kreisen okkupiert wurde. Rands Romane und Schriften gelten als „Katalysator“ dieser Bewegung. Die sich entwickelnde libertäre Bewegung in den USA findet in den von Rand veröffentlichten Aufsätzen allerdings kaum eine Resonanz. Der Ausdruck „libertarian“ wird von ihr nur in dem Aufsatz „What Can One Do“ aus dem Jahr 1972 überhaupt verwendet. Neben den wenigen schriftlichen Äußerungen von Rand zum Libertarianismus existieren einige mündliche Stellungnahmen, die sich aus Fragen von Zuhörern nach ihren Vorträgen ergaben. Nach der Gründung der Libertarian Party im Jahr 1971 tauchen auch immer wieder Fragen nach ihrer Einschätzung dieser neuen Partei auf. Die Libertarian Party hatte in ihrem Programm von 1972, das von dem Philosophieprofessor John Hospers formuliert werden war, noch „neo-randianische“ Züge aufgewiesen, wie später Murray Rothbard bedauernd feststellen sollte. Diese Einschätzung traf auf das überarbeitete Programm von 1974 nicht mehr zu. Ayn Rand selbst muss bewusst gewesen sein, dass das ursprüngliche Programm der LP ihren Ansichten ähnelte. Als sie 1972 in der Ford Forum Hall gefragt wird, was sie von der Libertarian Party hält, äußert sie sich zwar negativ über die Partei, geht aber nicht direkt auf das Programm ein. Erst 1976 anwortet sie an gleicher Stelle in Bezug auf die Libertären: „Sie sind keine Verteidiger des Kapitalismus.“
Rands Ablehnung des Libertarianismus nimmt im Laufe der Zeit immer schroffere Formen an. 1980 äußert sie, dass die Libertären „heute vielleicht die schlimmste politische Gruppe sind, weil sie den Kapitalismus am stärksten schaden können, dadurch, dass sie ihn in Verruf bringen.“ 1981 wirft sie ihnen im Ford Hall Forum vor, dass sie ein „amoralisches politisches Programm“ wollten und es sich bei ihnen um einen „monströsen, widerwärtigen Haufen von Menschen“ handeln würde. Auf eine andere Frage erwidert sie an gleicher Stelle, dass sie die Hilfe von „intellektuellen Spinnern“ weder akezptiere noch erbeten habe.

VICTOR HUGO

So wie Rand Aristoteles auf dem Feld der Philosohie schätzte, liebte sie die Arbeiten des französischen Schriftstellers Victor Hugo (1802 – 1885), den sie in ihren Jugendtagen entdeckte und den sie auch später immer wieder las. Für sie war er der “größte Romanautor der Weltliteratur”. Diese Bewunderung wurde auch nicht dadurch geschmälert, dass sie Hugos explizite Philosophie nicht teilte. Während der Vorbereitungen zu Atlas Shrugged las Rand Les Miserables erneut, um zu sehen wie Hugo die lange Erzählung strukturiert hatte. In dem 1972 erschienen Aufsatz The Stimulus and the Response (in: Philosophy: Who Needs It) zitiert sie Hugo: “… und er pries Gott dafür, dass er ihm zwei Reichtümer gegeben hatte, an denen es sogar viele Reichen mangelt: Arbeit, die ihm die Freiheit gab, und Gedanken, die ihm die Würde gaben.” Und sie fügte hinzu: “Victor Hugo kannte diese beiden Essentials, die das menschliche Leben erfordert.”

VERMÄCHTNIS

Ayn Rand stirbt am 6. März 1982 in ihrem New Yorker Apartment an Herzversagen. Sie wurde auf dem Kensico Cemetery in Valhalla, N. Y., neben ihrem Mann beerdigt. 13 Jahre vor ihrem Tod war sie bei einer Vortragsveranstaltung von einem Zuhörer gefragt worden über ihren Tod befragt worden: “Ich nehme an, dass man mich beerdigen wird. Ich glaube nicht an Mystizismus oder ein Leben nach dem Tod. Das bedeutet nicht, dass ich glaube, dass der menschliche Geist notwendigerweise materialistisch ist; aber er ist auch nicht mystisch. Wir wissen, dass wir einen Geist und einen Körper haben, und dass der eine nicht ohne den anderen existieren kann. Deshalb, wenn ich sterbe, wird dies das Ende für mich sein. Ich denke aber nicht, dass dies das Ende meiner Philosophie sein wird.” Bei ihrer letzten öffentlichen Rede (The Sanction of the Victims) am 21. Novermber 1981 in New Orleans vor Geschäftsleuten forderte Rand diese auf, antikapitalistische Institutionen nicht mehr zu unterstützen: „Es ist ein moralisches Verbrechen, Geld zur Unterstützung von Ideen auszugeben, mit denen man nicht übereinstimmt. Es ist ein moralisches Verbrechen, Geld auszugeben, um seine eigene Zerstörung zu unterstützen.“ Am 1. Januar 1982 schreibt sie die letzte Seite für das Drehbuch von Atlas Shrugged. Nach ihrem Tod wird von ihrem Schüler Leonard Peikoff, den die kinderlose Rand auch zu ihrem Erben bestimmt hatte, das Ayn Rand Institute gegründet, das die Aufgabe hat, Rands Philosophie zu verbreiten und zukünftige objektivistische Intellektuelle auszubilden. Der Objektivismus wird heute -neben dem ARI- vor allem von dem amerikanischen Finanzdienstleister BB&T finanziell und ideell unterstützt. Die firmeneigene Philosophie ist stark von objektivistischen Prinzipien geprägt. Punkt 1 der "Werte " des Unternehmens ist "Realität": "Was ist, ist. Wenn wir besser sein wollen, müssen wir innerhalb des Kontext der Realität handeln (den Fakten). Unternehmen und Personen machen oft ernsthafte Fehler dadurch, dass sie Entscheidungen treffen, die auf reinem Wunschdenken basieren, oder auf Theorien, die von der Realität abgekoppelt sind."

ÜBRIGENS

1999 ehrte die US-Post Ayn Rand mit der Herausgabe einer Briefmarke , die von Nicholas Gaetano gestaltet wurde.