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Biographie

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"Das Gespräch mit Ayn Rand war ungefähr so, als würde ich eine Schachpartie beginnen in dem Glauben, ich sei ein Großmeister, um nach wenigen Zügen festzustellen, dass ich schachmatt war." – Alan Greenspan (aus: Mein Leben für die Wirtschaft )

“Sie mag Katzen, Architektur, New York, Filme, und vor allem, Ideen.” – Isabel Paterson (über Ayn Rand am 23. September 1945, in: New York Herald Tribune)

AYN RAND

Ayn Rand wurde am 2. Februar 1905 in St. Petersburg als Alisa Rosenbaum geboren. 1926 immigrierte sie in die USA und nimmt dort den Namen Ayn Rand an, den sie aus der kyrillischen Schreibweise ihres Nachnames abgeleitet hatte. Rands Roman Atlas Shrugged (dt: "Wer ist John Galt ") wird auch über fünfzig Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen in den USA immer noch stark nachgefragt und gilt es einer der einflussreichsten Werke der amerikanischen Belletristik. In einer landesweiten Umfrage innerhalb der USA wurde 1991 nach den Büchern gefragt, die das Leben der Leser am stärksten verändert hätten: Atlas Shrugged landete nach der Bibel auf dem 2. Platz. Trotz zahlreicher Übersetzungen -auf der Website des Ayn Rand Institute sind Übersetzungen in insgesamt 18 Sprachen aufgeführt- sind die Verkaufszahlen von Rands Büchern außerhalb der Vereinigten Staaten vergleichsweise gering. Von den zeitgenössischen Schriftstellern, die von Rand beeinflusst wurden, ist vor allem dem der Fantasy-Autor Terry Goodkind zu nennen. Alisa war das erste Kind des Apothekers Zinovy Rosenbaum und seiner Frau Anna. Später sollte das Ehepaar noch die Töchter Natalia und Eleanora bekommen. Bereits früh entwickelte Alisa ein ausgeprägtes Interesse für Literatur. Bereits in der Schule hatte sie über einen Roman nachgedacht, in dem ein englisches Mädchen versucht, in die Armee zu kommen, um am Krieg gegen Deutschland teilzunehmen. Im Alter von neun Jahren entdeckte sie in einem französischen Magazin für Jungen die Fortsetzungsgeschichte The Mysterious Valley von Maurice Champagne, der mit der Figur des britischen Offiziers Cyrus Paltons, den Typus eines heroischen Menschens geschaffen hatte, der sie enorm beeindrucken sollte und der ihr lebenslänglicher geistiger Begleiter sein würde. Von 1921 an studierte sie Philosophie und Geschichte an der Staatsuniversität in Petrograd. Sie teilt den glühenden Antikommunismus ihres Vaters, dessen Apotheke nach der kommunistischen Machtübernahme nationalisiert worden war. Später sollte ihr Vater zum Vorbild für die Romanfigur des Vasili Dunaev in We the Living werden. Ende 1925 erhielt Alisa ihren sowjetischen Pass und 17. Januar 1926 begann sie ihre Reise in die USA, wo sie zunächst bei Verwandten der Familie in Chicago unterkommen wollte. Alisa Rosenbaum sollte das Land ihrer Geburt nie wieder betreten und alle Versuche, ihrer Familie eine Ausreise in die USA zu ermöglichen, scheiterten. Ihr Vater Zinovy Zacharovich Rosenbaum starb 1939 und ihre Mutter Anna Borisovna Rosenbaum im folgenden Jahr. Ihre Schwester Natalia starb 1942 bei einem Luftangriff. Lediglich ihre jüngste Schwester Eleanora konnte Ayn Rand noch einmal wiedersehen, als diese im April 1974 in die USA reisen durfte. Dieses Wiedersehen nach den Jahrzehnten der Trennung verlief allerdings anders, als Ayn Rand es sich erwartet hatte. Ihrer Schwester missfiel ihre Arbeit und ihre Philosophie, und sie kehrte schließlich freiwillig in die Sowjetunion zurück – zur großen Enttäuschung ihrer berühmten Schwester.

Rands amerikanische Karriere begann mit einer zufälligen Begegnung in Hollywood mit dem bekannten Regisseur Cecil B. DeMille, der ihr eine Rolle als Komparsin in dem Film The King of Kings gab. Bereits der von DeMille 13. September 1926 unterzeichnete Zugangspass trägt den Namen “Rand”. 1929 heiratete sie den Schauspieler Frank O’Connor in Los Angeles. Die Ehe sollte erst über 50 Jahre später mit dem Tod von O’Connor enden. “All meine Helden werden immer nur Reflektionen von Frank sein”, äußerte sie über ihren Ehemann, dessen schlanke, großgewachsene Gestalt Erinnerungen an Cyrus Paltons wecken. 1932 gelang es ihr, für 1 500 $ ihren ersten Drehbuchentwurf (“Treatment”) an Universal Pictures zu verkaufen: Red Pawn. Die Geschichte, die in der Sowjetunion spielt, wurde allerdings bis zum heutigen nicht in einem Film umgesetzt. Die Einkünfte von Red Pawn versetzten sie in die Lage, sich vollständig der Fertigstellung ihres ersten Romans We the Living zu widmen, den sie 1934 beendete, der aber erst 1936 veröffentlicht wird. Der Roman trägt stark autobiografische Züge. In der Phase der Arbeit an The Fountainhead verfaßte sie die Novelle Anthem, in der Menschen in einer futuristischen Gesellschaft beschrieben werden, die das Wort “ich” aus ihrem Vokabular (und den Köpfen der Menschen) verbannt hat. Die Arbeit an „Anthem“ nahm ungefähr drei Monate in Anspruch. Die Idee für das Buch ging zurück auf Rands Schultage in Russland, als sie all die „bösartigen Attacken“ auf den Individualismus hörte und sich selbst die Frage stellte, wie die Welt wohl aussehen würde, wenn die Menschen das Wort „ich“ verlieren würden. Rands Agentin gelang es allerdings nicht einen Verleger für die Novelle zu begeistern und so wurde es erst im Jahr 1946 in den USA veröffentlicht. In Großbritannien kam das Buch allerdings schon im Jahr 1938 auf den Markt, und wurde dort auch ein Erfolg. 1934 gelang Rand allerdings in den USA ein erster kommerzieller Erfolg durch die Realisierung des Theaterstücks Woman on Trial. Nachdem sie drei Jahre in einem Architekturbüro recherchiert hatte -Rand besaß vorher keinerlei Erfahrungen oder Kenntnisse auf dem Gebiet der Architektur-, begann Ayn Rand 1938 die Arbeit an ihrem Roman The Fountainhead, die sie dann am 31.12.1942, abschloss. Das Thema des Buches beschrieb sie später als “Individualismus versus Kollektivismus, nicht in der Politik, sondern in der Seele des Menschen.” Aber The Fountainhead sollte nur eine “Ouvertüre”-wie sie es später selbst formulierte- darstellen, zu dem, was folgen sollte: Atlas Shrugged.

ATLAS SHRUGGED

Die Idee zu dem Roman, der schließlich den Titel Atlas Shrugged tragen sollte, kam Ayn Rand bei einem Telefonat mit einer Bekannten im Jahr 1943. Diese wollte Rand dazu drängen, ihre Leser durch eine nichtfiktive Darstellung ihrer Philosophie aufzuklären. Rand reagiert unwirsch auf einen derartigen Vorschlag, da sie der Ansicht war, ihre Verpflichtung erfüllt zu haben und jedem aufmerksamen Leser ihre Intention klar geworden sein sollte. Sie fragte sich laut, was wohl passieren würde, wenn alle kreativen Menschen in den Streik treten würden, um derartige Verpflichtungen abzuwehren. Sie hielt dies für eine gute Ideen für einen Roman und ihr anwesender Ehemann pflichtete ihr bei. Die Umsetzung dieser Idee in einen fertigen Roman sollte schließlich 14 Jahre in Anspruch nehmen und aus dem ursprünglichen Titel “The Strike” wurde Atlas Shrugged, eigentlich nur der Titel eines Kapitels des Romans. Der Roman zeigt den stillen Rückzug von fähigen Menschen aus allen Bereichen aus einer Gesellschaft, die sich durch Anwendung kollektivistischer Konzepte in einem unaufhörlichen Niedergang befindet. Allein zwei Jahre ihrer Arbeitskraft investierte Rand in “Galts Speech”, einer Rede ihres Protagonisten John Galt, dem Rand beinahe 35 000 Wörter in dem Mund legt, um damit ihre gesamte Philosophie zusammenzufassen. Am 10. Oktober 1957 bringt das Verlagshaus Random House Atlas Shrugged auf den Markt. Mit der Veröffentlichung von Atlas Shrugged endete der Abschnitt in Ayn Rands Leben, der geprägt war von der Arbeit an ihren Romanen. Für die nun 52 jährige Rand begann die Zeit, wo sie als Sachbuchautorin, Herausgeberin von Zeitschriften, Kolumnistin und Rednerin aktiv werden sollte. Im Jahr 1961 erschien mit „For The New Intellectual“ das erste von insgesamt sieben Sachbüchern, das Auszüge aus ihren Romanen enthielt und außerdem den Aufsatz, der dem Buch seinen Titel geben sollte: „For the New Intellectual“. Diese neuen Intellektuellen, die Ayn Rand sich für eine intellektuelle Renaissance wünschte, sollten als Mindestvoraussetzung akzeptieren, dass Gefühle keine Quelle der Erkenntnis seien und dass kein Mensch das Recht habe, Zwang gegen andere zu initiieren. Im Vorwort ihres ersten Sachbuches gibt Rand außerdem bekannt, dass sie als Namen für ihre Philosophie „Objektivismus“ gewählt hat. Im Jahr 1962 begann Rand mit der Herausgabe der Zeitschrift „The Objectivist Newsletter“, die erste von insgesamt drei Zeitschriften, die sie im Laufe der Zeit betreuen sollte. Die erste Ausgabe der Zeitschrift im Januar 1962 enthielt den Aufsatz „Check your Premises“ von Ayn Rand, wo sie analysiert, dass die heutige Kultur von Mystizismus, Altruismus und Kollektivismus dominiert sei, die die Grundlage für Etatismus bildeten. Außerdem gab es einen kurzen Auszug aus dem Buch „Who is Ayn Rand?“ von Nathaniel Branden, dessen Erscheinen in der Zeitschrift für den Juni 1962 angekündigt wird. Während des Jahres 1962 tritt Ayn Rand auch regelmäßig als Kolumnistin für die Los Angeles Times auf. In den frühen fünfziger Jahren begann Rand, eine Gruppe von intellektuellen Seelenverwandten um sich zu sammeln, die sie nach dem Erscheinungsjahr von The Fountainhead als "Klasse von ’43" (Class of ’43) bezeichnete und die den Hauptteil ihrer sozialen Kontakte ausmachen sollte. Unter den Teilnehmern an dieser Diskussionsgruppe kursierte allerdings auch die scherzhafte Bezeichnung "Das Kollektiv". Mitglieder des "Kollektivs" waren junge Leute, die durch The Fountainhead mit ihren Ideen vertraut gemacht worden waren, Begeisterung entwickelten, und es schafften, sich ihr persönlich vorstellen zu können. Unter diesen Personen befand sich Leonard Peikoff, außerdem Alan Greenspan, der spätere Chef der amerikanischen Notenbank und der Psychologe Nathan Blumenthal (später Nathaniel Branden), zu dem die Beziehung erst 1968 abbrechen sollte, was Rand auch öffentlich in einem Artikel in der Zeitschrift The Objectivist (To Whom It May Concern) kundtun sollte. In dem New Yorker Apartment von Rand versammelte sich die Gruppe ihrer Anhänger regelmäßig an Samstagabenden, um gemeinsam mit ihrer Vordenkerin philosophische Fragen zu diskutieren, und vor allem, um Rands Manuskripte von Atlas Shrugged zu lesen und zu diskutieren. Oft zogen sich die Diskussionen bis in den frühen Morgen hin. Nach eigenen Angaben schrieb Branden im Jahr 1949 einen Brief an Rand, in dem er ihr einige philosophische Fragen stellte. Im März 1950 sei es dann zu einem persönlichen Zusammentreffen aufgrund einer Einladung von Rand in ihrem Haus gekommen – kurz vor Brandens 20. Geburtstag. Mit dem 25 Jahre jüngerem Branden hatte Rand allerdings nicht nur eine intellektuelle und, nicht zu vergessen, geschäftliche Beziehung, sondern über mehrere Jahre auch eine romantische Beziehung -mit Zustimmung der jeweiligen Ehepartner der beiden Beteiligten-, die "wahrscheinlich ungefähr zu der Zeit der Veröffentlichung von Atlas Shrugged endete", wie Jeff Britting vermutet. Zusammen mit seiner Frau Barbara, die ebenfalls zum inneren Kreis der Objektivisten gehörte (die Ehe bestand von 1953 bis 1965), veröffentlichte er im Jahr 1962 das Buch Who is Ayn Rand?, das -neben mehreren Aufsätzen von Branden selbst- eine von Barbara Branden verfaßte biographische Studie enthält, für die Ayn Rand von beiden Autoren intensiv interviewt worden war. Auf die genannten Interviews griffen beide Autoren nach ihrer Trennung von Rand zurück, als sie unabhängig voneinander Bücher über ihre Zeit im Umfeld von Ayn Rand verfaßten. Den 1933 in Kanada geborene Leonard Peikoff lernte Rand 1951 in Kalifornien kennen, kurz bevor Ayn Rand mit ihrem Ehemann wieder nach New York zog. Peikoff ist der Vetter von Barbara Branden, die wie er ebenfalls aus dem kanadischen Winnipeg stammt. Peikoff verließ Kanada 1953 und studierte an der New York University Philosophie.

ALAN GREENSPAN

Ohne Zweifel war Alan Greenspan der berühmteste aus der Gruppe um Rand, der er insgesamt 15 Jahre angehören sollte. Nach Ayn Rands Tod wurde Greenspan 1987 von Präsident Reagan für den Posten des Präsidenten der Notenbank nominiert und schließlich auch durch den Senat bestätigt. 1974 war Ayn Rand nebst Ehemann bei der Vereidigung von Greenspan als Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates der Regierung Ford noch zugegen gewesen, und ihre Teilnahme an der Zeremonie kann sicherlich als Billigung dieser politischen Funktion angesehen werden. Seit dem Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts bildete sich in die USA eine politische Ideologie unter dem Namen “libertarianism” heraus, die am klassischen Liberalismus anknüpfte, aber den Namen Liberalismus vermied, da dieser Begriff immer stärker von linken Kreisen okkupiert wurde. Rands Romane und Schriften gelten als “Katalysator” dieser Bewegung. Die sich entwickelnde libertäre Bewegung in den USA findet in den von Rand veröffentlichten Aufsätzen allerdings kaum eine Resonanz. Der Ausdruck “libertarian” wird von ihr nur in dem Aufsatz “What Can One Do” aus dem Jahr 1972 überhaupt verwendet. Neben den wenigen schriftlichen Äußerungen von Rand zum Libertarianismus existieren einige mündliche Stellungnahmen, die sich aus Fragen von Zuhörern nach ihren Vorträgen ergaben. Nach der Gründung der Libertarian Party im Jahr 1971 tauchen auch immer wieder Fragen nach ihrer Einschätzung dieser neuen Partei auf. Die Libertarian Party hatte in ihrem Programm von 1972, das von dem Philosophieprofessor John Hospers formuliert werden war, noch “neo-randianische” Züge aufgewiesen, wie später Murray Rothbard bedauernd feststellen sollte. Diese Einschätzung traf auf das überarbeitete Programm von 1974 nicht mehr zu. Ayn Rand selbst muss bewusst gewesen sein, dass das ursprüngliche Programm der LP ihren Ansichten ähnelte. Als sie 1972 in der Ford Forum Hall gefragt wird, was sie von der Libertarian Party hält, äußert sie sich zwar negativ über die Partei, geht aber nicht direkt auf das Programm ein. Erst 1976 anwortet sie an gleicher Stelle in Bezug auf die Libertären: “Sie sind keine Verteidiger des Kapitalismus.”
Rands Ablehnung des Libertarianismus nimmt im Laufe der Zeit immer schroffere Formen an. 1980 äußert sie, dass die Libertären “heute vielleicht die schlimmste politische Gruppe sind, weil sie den Kapitalismus am stärksten schaden können, dadurch, dass sie ihn in Verruf bringen.” 1981 wirft sie ihnen im Ford Hall Forum vor, dass sie ein “amoralisches politisches Programm” wollten und es sich bei ihnen um einen “monströsen, widerwärtigen Haufen von Menschen” handeln würde. Auf eine andere Frage erwidert sie an gleicher Stelle, dass sie die Hilfe von “intellektuellen Spinnern” weder akezptiere noch erbeten habe.

Ayn Rand stirbt am 6. März 1982 in ihrem New Yorker Apartment an Herzversagen. Sie wurde auf dem Kensico Cemetery in Valhalla, N. Y., neben ihrem Mann beerdigt. 13 Jahre vor ihrem Tod war sie bei einer Vortragsveranstaltung von einem Zuhörer gefragt worden über ihren Tod befragt worden: “Ich nehme an, dass man mich beerdigen wird. Ich glaube nicht an Mystizismus oder ein Leben nach dem Tod. Das bedeutet nicht, dass ich glaube, dass der menschliche Geist notwendigerweise materialistisch ist; aber er ist auch nicht mystisch. Wir wissen, dass wir einen Geist und einen Körper haben, und dass der eine nicht ohne den anderen existieren kann. Deshalb, wenn ich sterbe, wird dies das Ende für mich sein. Ich denke aber nicht, dass dies das Ende meiner Philosophie sein wird.” Am 1. Januar 1982 schreibt sie die letzte Seite für das Drehbuch von Atlas Shrugged. Nach ihrem Tod wird von ihrem Schüler Leonard Peikoff, den die kinderlose Rand auch zu ihrem Erben bestimmt hatte, das Ayn Rand Institute gegründet, das die Aufgabe hat, Rands Philosophie zu verbreiten und zukünftige objektivistische Intellektuelle auszubilden.

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