Biographie

„Das Gespräch mit Ayn Rand war ungefähr so, als würde ich eine Schachpartie beginnen in dem Glauben, ich sei ein Großmeister, um nach wenigen Zügen festzustellen, dass ich schachmatt war.“ – Alan Greenspan (aus: Mein Leben für die Wirtschaft )

Russland

Ayn Rand wurde am 2. Februar 1905 in St. Petersburg als Alisa Rosenbaum geboren. 1926 immigrierte sie in die USA und nimmt dort den Namen Ayn Rand an, den sie aus der kyrillischen Schreibweise ihres Nachnames abgeleitet hatte. Rands Roman Atlas Shrugged (dt: „Wer ist John Galt „) wird auch über fünfzig Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen in den USA immer noch stark nachgefragt und gilt es einer der einflussreichsten Werke der amerikanischen Belletristik.  Alisa war das erste Kind des Apothekers Zinovy Rosenbaum und seiner Frau Anna.  Bereits früh entwickelte Alisa ein ausgeprägtes Interesse für Literatur.  Im Alter von neun Jahren entdeckte sie in einem französischen Magazin für Jungen die Fortsetzungsgeschichte The Mysterious Valley von Maurice Champagne, der mit der Figur des britischen Offiziers Cyrus Paltons, den Typus eines heroischen Menschens geschaffen hatte, der sie enorm beeindrucken sollte und der ihr lebenslänglicher geistiger Begleiter sein würde. Von 1921 an studierte sie Philosophie und Geschichte an der Staatsuniversität in Petrograd. Sie teilt den glühenden Antikommunismus ihres Vaters, dessen Apotheke nach der kommunistischen Machtübernahme nationalisiert worden war. Später sollte ihr Vater zum Vorbild für die Romanfigur des Vasili Dunaev in We the Living werden. Ende 1925 erhielt Alisa ihren sowjetischen Pass und 17. Januar 1926 begann sie ihre Reise in die USA, wo sie zunächst bei Verwandten der Familie in Chicago unterkommen wollte.

Die Romane

Rands amerikanische Karriere begann mit einer zufälligen Begegnung in Hollywood mit dem bekannten Regisseur Cecil B. DeMille, der ihr eine Rolle als Komparsin in dem Film The King of Kings gab. Bereits der von DeMille 13. September 1926 unterzeichnete Zugangspass trägt den Namen “Rand”. 1929 heiratete sie den Schauspieler Frank O’Connor in Los Angeles. Die Ehe sollte erst über 50 Jahre später mit dem Tod von O’Connor enden. “All meine Helden werden immer nur Reflektionen von Frank sein”, äußerte sie über ihren Ehemann, dessen schlanke, großgewachsene Gestalt Erinnerungen an Cyrus Paltons wecken. 1932 gelang es ihr, für 1 500 $ ihren ersten Drehbuchentwurf („Treatment“) an Universal Pictures zu verkaufen: Red Pawn. Die Geschichte, die in der Sowjetunion spielt, wurde allerdings bis zum heutigen nicht in einem Film umgesetzt. Die Einkünfte von Red Pawn versetzten sie in die Lage, sich vollständig der Fertigstellung ihres ersten Romans We the Living zu widmen, den sie 1934 beendete, der aber erst 1936 veröffentlicht wird. Der Roman trägt stark autobiografische Züge. 1934 gelang Rand in den USA ein erster kommerzieller Erfolg durch die Realisierung des Theaterstücks Woman on Trial. Nachdem sie drei Jahre in einem Architekturbüro recherchiert hatte, begann Ayn Rand 1938 die Arbeit an ihrem Roman The Fountainhead, die sie dann am 31.12.1942, abschloss. Das Thema des Buches beschrieb sie später als “Individualismus versus Kollektivismus, nicht in der Politik, sondern in der Seele des Menschen.” Aber The Fountainhead sollte nur eine “Ouvertüre”-wie sie es später selbst formulierte- darstellen, zu dem, was folgen sollte: Atlas Shrugged. Der Roman zeigt den stillen Rückzug von fähigen Menschen aus allen Bereichen aus einer Gesellschaft, die sich durch Anwendung kollektivistischer Konzepte in einem unaufhörlichen Niedergang befindet. Allein zwei Jahre ihrer Arbeitskraft investierte Rand in “Galts Speech”, einer Rede ihres Protagonisten John Galt, dem Rand beinahe 35 000 Wörter in dem Mund legt, um damit ihre gesamte Philosophie zusammenzufassen. Am 10. Oktober 1957 bringt das Verlagshaus Random House Atlas Shrugged auf den Markt. Mit der Veröffentlichung von Atlas Shrugged endete der Abschnitt in Ayn Rands Leben, der geprägt war von der Arbeit an ihren Romanen.

Die Sachbücher

Für die nun 52 jährige Rand begann die Zeit, wo sie als Sachbuchautorin, Herausgeberin von Zeitschriften, Kolumnistin und Rednerin aktiv werden sollte. Im Jahr 1961 erschien mit „For The New Intellectual“ das erste von insgesamt sieben Sachbüchern, das Auszüge aus ihren Romanen enthielt und außerdem den Aufsatz, der dem Buch seinen Titel geben sollte: „For the New Intellectual“. Im Vorwort ihres ersten Sachbuches gibt Rand  bekannt, dass sie als Namen für ihre Philosophie „Objektivismus“ gewählt hat. Im Jahr 1962 begann Rand mit der Herausgabe der Zeitschrift „The Objectivist Newsletter“, die erste von insgesamt drei Zeitschriften, die sie im Laufe der Zeit betreuen sollte.  In den frühen fünfziger Jahren begann Rand, eine Gruppe von intellektuellen Seelenverwandten um sich zu sammeln, die sie nach dem Erscheinungsjahr von The Fountainhead als „Klasse von ’43“ (Class of ’43) bezeichnete. Unter den Teilnehmern an dieser Diskussionsgruppe kursierte allerdings auch die scherzhafte Bezeichnung „Das Kollektiv“. Mitglieder des „Kollektivs“ waren junge Leute, die durch The Fountainhead mit ihren Ideen vertraut gemacht worden waren, Begeisterung entwickelten, und es schafften, sich ihr persönlich vorstellen zu können. Unter diesen Personen befand sich Leonard Peikoff, außerdem Alan Greenspan, der spätere Chef der amerikanischen Notenbank und der Psychologe Nathan Blumenthal (später Nathaniel Branden), zu dem die Beziehung erst 1968 abbrechen sollte.  Zusammen mit seiner Frau Barbara, die ebenfalls zum inneren Kreis der Objektivisten gehörte (die Ehe bestand von 1953 bis 1965), veröffentlichte er im Jahr 1962 das Buch Who is Ayn Rand?, das -neben mehreren Aufsätzen von Branden selbst- eine von Barbara Branden verfaßte biographische Studie enthält, für die Ayn Rand von beiden Autoren intensiv interviewt worden war.

Libertarianismus

Seit dem Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts bildete sich in die USA eine politische Ideologie unter dem Namen „libertarianism“ heraus, die am klassischen Liberalismus anknüpfte, aber den Namen Liberalismus vermied, da dieser Begriff immer stärker von linken Kreisen okkupiert wurde. Rands Romane und Schriften gelten als „Katalysator“ dieser Bewegung. Die sich entwickelnde libertäre Bewegung in den USA findet in den von Rand veröffentlichten Aufsätzen allerdings kaum eine Resonanz. Der Ausdruck „libertarian“ wird von ihr nur in dem Aufsatz „What Can One Do“ aus dem Jahr 1972 überhaupt verwendet. Neben den wenigen schriftlichen Äußerungen von Rand zum Libertarianismus existieren einige mündliche Stellungnahmen, die sich aus Fragen von Zuhörern nach ihren Vorträgen ergaben. Nach der Gründung der Libertarian Party im Jahr 1971 tauchen auch immer wieder Fragen nach ihrer Einschätzung dieser neuen Partei auf.  Als sie 1972 in der Ford Forum Hall gefragt wird, was sie von der Libertarian Party hält, äußert sie sich zwar negativ über die Partei, geht aber nicht direkt auf das Programm ein. Erst 1976 anwortet sie an gleicher Stelle in Bezug auf die Libertären: „Sie sind keine Verteidiger des Kapitalismus.“
Rands Ablehnung des Libertarianismus nimmt im Laufe der Zeit immer schroffere Formen an. 1980 äußert sie, dass die Libertären „heute vielleicht die schlimmste politische Gruppe sind, weil sie den Kapitalismus am stärksten schaden können, dadurch, dass sie ihn in Verruf bringen.“ 1981 wirft sie ihnen im Ford Hall Forum vor, dass sie ein „amoralisches politisches Programm“ wollten und es sich bei ihnen um einen „monströsen, widerwärtigen Haufen von Menschen“ handeln würde. Auf eine andere Frage erwidert sie an gleicher Stelle, dass sie die Hilfe von „intellektuellen Spinnern“ weder akezptiere noch erbeten habe.

Tod

Ayn Rand stirbt am 6. März 1982 in ihrem New Yorker Apartment an Herzversagen. Sie wurde auf dem Kensico Cemetery in Valhalla, N. Y., neben ihrem Mann beerdigt.   Nach ihrem Tod wird von ihrem Schüler Leonard Peikoff, den die kinderlose Rand auch zu ihrem Erben bestimmt hatte, das Ayn Rand Institute gegründet, das die Aufgabe hat, Rands Philosophie zu verbreiten und zukünftige objektivistische Intellektuelle auszubilden.