AR antwortet

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Was denken Sie, wird passieren, wenn Sie gestorben sind? (1969)
Ich nehme an, dass man mich beerdigen wird. Ich glaube nicht an Mystizismus oder ein Leben nach dem Tod. Das bedeutet nicht, dass ich glaube, dass der menschliche Geist notwendigerweise materialistisch ist; aber er ist auch nicht mystisch. Wir wissen, dass wir einen Geist und einen Körper haben, und dass der eine nicht ohne den anderen existieren kann. Deshalb, wenn ich sterbe, wird dies das Ende für mich sein. Ich denke aber nicht, dass dies das Ende meiner Philosophie sein wird.

Wie ist Ihre Meinung von der Idee konkurrierender Regierungen? (1970)
Dies ist ein unverantwortlicher Haufen Unsinn. Dies ist die einzige Antwort, die die Frage verdient.

Unterstützen Sie die Todesstrafe? (1971)
Ja und nein, aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Im Prinzip sollte ein Mensch, der einen anderen Menschen vorsätzlich tötet hat, sein Leben verwirken. Moralisch verdient er es. Das valide Argument gegen die Todesstrafe ergibt sich aus der Tatsache, dass Menschen, und auch Gerichte, fehlbar sind; Fehler können gemacht werden. Es ist moralisch, zehn schuldige Menschen freizulassen statt einen unschuldigen Menschen zu exekutieren. Das ist ein richtiges amerikanisches Prinzip – die Unschuld über die Schuld zu stellen. Es ist besser, Mörder lebenslänglich ins Gefängnis zu stecken als einen unschuldigen Menschen das Leben durch einen Justizirrtum zu nehmen. Ich bin also aus epistemologischen Gründen gegen die Todesstrafe, nicht aus moralischen. Moralisch ist der Akt der vorsätzlichen Vernichtung eines anderen Lebens so monströs, dass dies niemand wieder gutmachen kann. In diesem Sinne ist sogar die Todesstrafe eine zu geringe Strafe.

Haben Sie Milton Friedmans Film „Free to Choose“ im öffentlichen Fernsehen gesehen? (1980)
Ich habe fünf Minuten davon gesehen. Das war genug für mich, weil ich Friedmans Ideen kenne. Er ist nicht für den Kapitalismus; er ist ein elender Eklektiker. Er ist ein Feind des Objektivismus, und sein Einwand ist, dass ich die Moral in die Ökonomie einbringe, die seiner Meinung nach amoralisch sein sollte. Ich mag nicht immer, was das öffentliche Fernsehen bringt, aber ich denke, dass sie bessere Sendungen haben als „Free to Choose“ – den Zirkus, zum Beispiel.

Könnten Sie einen Kommentar abgeben zu Robert Nozicks „Anarchy, State and Utopia“? (1977)
Ich mag diesen Autor nicht, weil ich keine schlechten Eklektiker mag – nicht in der Architektur, und sicherlich nicht in der Politik und Philosophie -, besonders wenn ich zu den Stücken gehöre, die verarbeitet wurden.

Könnten Sie einen Kommentar abgeben über den Nazi-Marsch in Skokie, Illinois, der das Thema Meinungsfreiheit versus die unverhohlene Äußerung eines Genozids aufgreift? (1978)

[…] Aber was ich in Frage stelle …, ist die Interpretation von Demonstrationen und anderen Handlungen als sogenannte symbolische Rede. Wenn man die Unterscheidung zwischen Handlung und Rede verliert, dann verliert man letztendlich die Freiheit beider. Der Fall von Skokie ist eine gute Illustration dieses Prinzips. Es gibt so etwas wie „symbolische Rede“ nicht. Es gibt kein Recht darauf, auf öffentlichen Straßen eine Parade zu veranstalten oder die öffentlichen Verkehrswege zu blockieren. Es gibt das Recht sich zu versammeln, ja, auf dem eigenen Grund und Boden und auf dem von Bekannten und Freunden. Aber niemand hat das „Recht“ die Straßen zu verstopfen. Die Straßen sind nur zur Durchfahrt da. Den Hippies in den 1960ern hätte man verbieten müssen, sich auf städtischen Gehsteigen hinzulegen. (Sie legten sich früher quer auf die Straße und verursachten ein fürchterliches Verkehrschaos, um ihre Ansichten zur Schau zu stellen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und ihren Protest kundig zu machen.) Wenn es ihnen gestattet war, dann sollte es auch den Nazis gestattet sein. Angemessenerweise aber hätte es beiden verboten werden müssen. Sie dürfen reden, ja. Aber sie dürfen nicht nach Lust und Laune auf öffentlichem Eigentum Maßnahmen ergreifen. […] Ich möchte hinzufügen, dass das Thema „unverhohlene Äußerung eines Genozids“ irrelevant ist für das Thema Meinungsfreiheit. Das Prinzip der Meinungsfreiheit beschäftigt sich nicht mit dem Inhalt der Rede eines Menschen und schützt nicht nur die Äußerung guter Ideen, sondern aller Ideen. Wenn es anders wäre, wer würde dann bestimmen, welche Ideen gut wären und welche verboten sind? Die Regierung?

Zitate aus dem Buch „Ayn Rand Answers – The Best of Her Questions and Answers„. Ayn Rand beantwortete nach öffentlichen Vorträgen Fragen von Zuhörern, die Robert Mayhew in einer bearbeiteten Form dem Leser zur Verfügung stellt.