Lexikon

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Englische Originalartikel aus dem Ayn Rand Lexicon (Hrsg.: Harry Binswanger) 

Die Beiträge stammen von Ayn Rand, es sei denn, ein anderer Autor ist ausdrücklich erwähnt.

 
ABSTRAKTIONEN und KONKRETA (Abstractions and Concretes ) Abstraktionen als solche existieren nicht: sie sind nur die epistemologische Methode des Menschen, das wahrzunehmen, was existiert – und das, was existiert ist konkret..

BEWUSSTSEIN (Consciousness ) Existenz existiert. Wer das begriffen hat, für den ergeben sich zwei Korrelate: Wenn man etwas wahrnimmt, dann existiert auch etwas. Und: Weil das Bewusstsein die Fähigkeit zur Wahrnehmung dessen ist, was existiert, existiert man, wenn man ein Bewusstsein hat. Wenn nichts existiert, kann es kein Bewusstsein geben. Ein Bewusstsein, dass nichts hat, dessen es sich bewusst ist, ist ein Widerspruch in sich. Ein Bewusstsein, das sich nur seiner selbst bewusst ist, ist ein Widerspruch in sich. Bevor es sich als Bewusstsein erkennen kann, muss es etwas haben, dessen es sich bewusst ist. Wenn das, was ihr wahrzunehmen behauptet, nicht existiert, ist das, was ihr besitzt, kein Bewusstsein. Wie groß euer Wissen auch sein mag, diese beiden – Existenz und Bewusstsein – sind Axiome, denen ihr nicht ausweichen könnt, diese beiden sind die unausweichlichen Voraussetzungen für all euer handeln, für jeden Teil eures Wissens und für seine Summe, vom ersten Lichtstrahl, den ihr zu Beginn eures Lebens wahrnehmt, bis zur umfangreichsten Bildung, die ihr an seinem Ende erworben haben mögt. Ob ihr die Form eines Kieselsteins erkennt oder die Struktur eines Sonnensystems, die Axiome bleiben die gleichen: dass das Erkannte existiert, und dass ihr es erkennt. Existenz ist Identität, Bewusstsein ist Identifikation.

DÜSTERE MITTELALTER, das (Dark Ages ) Die unrühmlichen Zeiten, die ihr die dunklen Zeitalter nennt, waren Epochen der streikenden Intelligenz, in denen Menschen von Begabung untertauchten und unentdeckt lebten, im geheimen studierten und starben, nachdem sie die Produkte ihres Geistes zerstört hatten; in denen oft nur einige wenige der tapfersten Märtyrer übrigblieben, um die menschliche Rasse am Leben zu halten. Jede Ära, die von Mystikern beherrscht wurden, war eine Ära der Stagnation und der Not, in der die meisten Menschen im Streik standen gegen das Leben, nur für ihren nackten Unterhalt arbeiteten, nichts zum Plündern übrig ließen für ihre Beherrscher,  sich weigerten zu denken, zu produzieren; in der  der letzte Nutznießer ihrer Arbeit und die höchste Autorität über Recht und Unrecht ein degenerierter Potentat war, sanktioniert durch göttliche Gnade oder die Gewalt des Knüppels.

EHRLICHKEIT (Honesty ) Ehrlichkeit ist die Anerkennung der Tatsache, dass das Unwirkliche unwirklich ist und keinen Wert haben kann, dass weder Liebe, noch Ruhm, noch Geld von irgendeinem Wert sind, wenn sie durch Betrug erlangt wurden; dass ihr mit dem Versuch, einen Wert zu erlangen, indem ihr den Verstand anderer täuscht, eure Opfer höher stellt als die Wirklichkeit, auf eine Ebene, wo ihr selbst Opfer ihrer Blindheit, Sklaven ihres Nichtdenkens werdet, und euch damit gleichzeitig ihre Intelligenz, ihre Rationalität, ihre Beobachtungsgabe zu Feinden macht, die ihr fürchten und vor denen ihr euch in Acht nehmen müsst; dass ihr nicht in Abhängigkeit leben wollt, am allerwenigsten abhängig von der Dummheit anderer, oder als ein Dummkopf, der seine Werten Dummköpfen verdankt, die er selbst verdummt; dass Ehrlichkeit nicht eine soziale Pflicht ist, nicht ein Opfer um anderer willen, sondern die eigennützigste Tugend, die ein Mensch üben kann; seine Weigerung, die Wirklichkeit seiner eigenen Existenz dem getäuschten Bewusstsein anderer zu opfern.   

 
FREIHEIT (Freedom ) Da Wissen, Denken und rationales Handeln in individuellem Besitz sind und dem Individuum die Entscheidung obliegt, ob es seine rationalen Fähigkeiten ausübt oder nicht, erfordert das Überleben des Menschen, dass diejenigen, die denken, frei sind von Beeinträchtigungen durch diejenigen, die nicht denken. Da Menschen weder allwissend noch unfehlbar sind, müssen sie die Freiheit haben, zuzustimmen oder abzulehnen, zusammenzuarbeiten oder ihren eigenen, unabhängigen Weg zu verfolgen, und zwar jeder entsprechend seinem eigenen rationalen Urteil. Freiheit ist die grundlegende Voraussetzung für menschliche Geisteskraft.


GEMEINWOHL (Common Good ) Die stammesgesellschaftliche Vorstellung des „Gemeinwohls“ hat den meisten historischen Gesellschaftssystemen – vor allem den Tyranneien – als moralische Rechtfertigung gedient. Das Ausmaß von Versklavung oder Freiheit in einer Gesellschaft entsprach dem Grad von Beachtung oder Nicht-Beachtung, der diesem stammesgesellschaftlichen Slogan zuteil wurde. „Das Allgemeinwohl“ (oder das „öffentliche Interesse“) ist ein nicht-definierter und nicht-definierbarer Begriff: Eine Entität wie „der Stamm“ oder „die Öffentlichkeit“ gibt es nicht; der Stamm (oder die Öffentlichkeit oder die Gesellschaft) ist nur eine Anzahl einzelner Menschen. Etwas kann nicht für den Stamm als solchen gut sein; Begriffe wie „das Gute“ oder „der Wert“ beziehen sich allein auf einen lebendigen Organismus, nicht auf ein köperloses Aggregat von Beziehungen. Das „Allgemeinwohl“ ist ein inhaltsloser Begriff, es sei denn, man nimmt ihn wörtlich. Dann kommt als einzig mögliche Bedeutung in Frage: die Summe des individuellen Wohls alle r beteiligten Menschen.  Doch in diesem Fall ist der Begriff als moralisches Kriterium bedeutungslos: Die Frage, was ist das individuelle Wohl eines Menschen, bleibt offen. Im Allgemeinen wird dieser Begriff jedoch nicht in seiner wörtlichen Bedeutung gebraucht. Vielmehr wird er gerade wegen seines elastischen, undefinierbaren, mystischen Charakters geschätzt, der nicht als moralische Richtschnur, sondern mehr als Rettung vor moralischem Anspruch dient. Da das Gute nicht auf Körperloses anwendbar ist, wird es zum moralischen Blankoscheck für jene, die es zu verkörpern suchen. Sofern das „Allgemeinwohl“ einer Gesellschaft als etwas sich vom individuellen Wohl ihrer Mitglieder Unterscheidendes und es Überragendes angesehen wird, bedeutet das,  dass das Wohl einiger Leute Vorrang vor dem Wohl anderer hat, wobei jenen anderen die Rolle von Opfertieren zugedacht wird. In solchen Fällen wird stillschweigend angenommen, „Allgemeinwohl“ bedeute das „Wohl der Mehrheit“ im Gegensatz zu dem der Minderheit oder des Individuums. Man beachte die bezeichnende Tatsache, dass die Annahme stillschweigend gemacht wird: Selbst in höchstem Maß in höchstem Maß kollektivistisch Gesinnte scheinen zu spüren, dass ihre moralische Rechtfertigung ein Ding der Unmöglichkeit ist. Doch auch „das Wohl der Mehrheit“ ist nur Lug und Trug: Da die Verletzung der Rechte eines Individuums in Wirklichkeit der Aufhebung der Rechte aller gleichkommt, liefert sie die hilflose Mehrheit der Macht irgendeiner Bande aus, die sich selbst als „die Stimme der Mehrheit“ proklamiert und solange mittels physischem Zwang regiert, bis sie von einer anderen Bande abgelöst wird, die dieselben Mittel anwendet. Beginnt man mit der Definition dessen, was für einen einzelnen Menschen gut ist, wird man nur eine Gesellschaft als geeignet akzeptieren, in der dieses individuelle Wohl erreicht und erreichbar ist. Beginnt man jedoch, in dem man „das Allgemeinwohl“ als Axiom akzeptiert und das individuelle Wohl als seine mögliche, aber nicht (in jedem Fall) notwendige Folge ansieht, endet man bei einer solch schauerlichen Absurdität wie Sowjetrussland, d. h. bei einem Land, das sich erklärtermaßen dem „Allgemeinwohl“ verschrieben hat, wo aber mit Ausnahme einer winzigen Führungsclique die gesamte Bevölkerung schon seit mehr als zwei Generationen in menschenunwürdigstem Elend leben muss. 

HÄNDLERPRINZIP (Trader Principle )Das Symbol aller Beziehungen zwischen solche Menschen, das moralische Symbol der Achtung für menschliche Wesen ist der Händler. Wir, die wir von Werten leben und nicht von Beute, wir sind Händler – sowohl im materiellen wie auch im ideellen Bereich. Ein Händler ist ein Mensch, der sich verdient, was er erhält, und der Unverdientes weder gibt noch nimmt. Ein Händler verlangt nicht, für sein Versagen bezahlt zu werden, noch verlangt er, um seiner Fehler geliebt zu werden. Ein Händler verschwendet seinen Körper nicht als Futter oder seine Seele als Almosen. So wie er seine Arbeit nur im Austausch gegen materielle Dinge hergibt, so gibt er seine ideellen Werte – seine Liebe, seine Freundschaft, seine Achtung – nur als Bezahlung und als Austausch gegen menschlichen Tugenden her, nur als Bezahlung seines eigenen, seines persönlichen Vergnügens, das er durch den Menschen findet, die er achtet. Die mystischen Parasiten, die durch alle Zeitalter hindurch die Händler geschmäht haben und verhöhnt haben, während sie die Plünder und Bettler ehrten, kannten das geheime Motiv ihrer Verachtung: Ein Händler ist das, was sie fürchten – ein Mensch der Gerechtigkeit.

INDIVIDUALISMUS (Individualism ) Die Menschheit ist keine Entität, kein Organismus, kein Korallenstock. Das Wesen, das sich mit Produktion und Handel beschäftigt, ist der Mensch . Nicht das Studium jenes lockeren Konglomerats, das unter der Bezeichnung „Gesellschaft“ bekannt ist, sondern das Studium des Menschen gehört daher an den Anfang einer jeden Humanwissenschaft. … Durch Studium des Menschen lässt sich eine Menge über die Gesellschaft lernen; doch dieser Prozess lässt sich nicht umkehren: Durch das Studium der Gesellschaft, d. h. das Studium von Wechselbeziehungen zwischen einzelnen Individuen, die man nie identifiziert oder definiert hat, kann man über den Menschen gar nichts lernen.

INDIVIDUALRECHTE  (Individual Rights ) Der Ursprung der Rechte des Menschen ist weder ein göttliches Gesetz noch ein Gesetz des Kongresses, sondern das Gesetz der Identität. A gleich A – und Mensch ist Mensch. Rechte sind Existenzbedingungen, gefordert durch die Natur des Menschen zum Zwecke seines eigenen Überlebens. Wenn der Mensch auf Erden leben soll, ist es sein Recht, seinen Verstand zu benutzen, ist es sein Recht, nach seinem freien Urteil zu handeln, ist es sein Recht, für seine Werte zu arbeiten und die Produkte seiner Arbeit für sich zu behalten. Wenn das Leben auf Erden sein Zweck ist, hat er ein Recht, als denkendes Wesen zu leben: Die Natur verbietet ihm das Irrationale. Jede Gruppe, jede Gesellschaft, jede Nation, die die Rechte des Menschen leugnet, hat Unrecht, was bedeutet: ist böse, was bedeutet: ist lebensfeindlich.               

INDIVIDUALRECHTE  (Individual Rights ) Da Wissen, Denken und rationales Handeln in individuellem Besitz sind und dem Individuum die Entscheidung obliegt, ob es seine rationalen Fähigkeiten ausübt oder nicht, erfordert das Überleben des Menschen, dass diejenigen, die denken, frei sind von Beeinträchtigungen durch jene, die nicht denken. Da Menschen weder allwissend noch unfehlbar sind, müssen sie die Freiheit haben, zuzustimmen oder abzulehnen, zusammenzuarbeiten oder ihren eigenen, unabhängigen Weg zu verfolgen, und zwar jeder entsprechend seinem eigenen rationalen Urteil. Freiheit ist die grundlegende Voraussetzung für menschliche Geisteskraft.