Objektivismus

Objektivismus in einer Lektion 

 In The Romantic Manifesto macht Rand die Bedeutung einer richtigen Philosophie für das Leben auf der Erde deutlich: „Um zu leben, muss der Mensch handeln. Um zu handeln, muss er Entscheidungen treffen. Um Entscheidungen zu treffen, muss er einen Wertekodex definieren. Um einen Wertekodex zu definieren, muss er wissen, was er ist und wo er ist, d. h. er muss seine eigene Natur kennen (einschließlich der Mittel der Erkenntnis) und die Natur des Universums, in dem er handelt – d. h. er braucht Metaphysik, Epistemologie, Ethik, was bedeutet: Philosophie.“ Als willensgesteuertes Wesen hat der Mensch keine Wahl hinsichtlich der Tatsache, dass er eine Philosophie braucht, er hat nur die Wahl dahingehend, für welche Art von Philosophie er sich entscheidet und ob er diese Entscheidung bewusst herbeiführt oder sich er sich unterbewussten philosophischen Prämissen ausliefert.

Rand sah es als ihre „große Aufgabe“ an, der Vernunft im Denken des Westens wieder ihre ihr zustehende hervorragende Bedeutung zu geben. Sie nannte ihre neue, radikale Philosophie „Objektivismus“, abgeleitet von ihrer Theorie der Objektivität: „Objektivität ist sowohl ein metaphysischer wie auch ein epistemologischer Begriff. Er gehört zu der Beziehung des Bewusstseins zur Existenz. Metaphysisch ist er die Anerkennung der Tatsache, dass die Realität unabhängig von dem Bewusstsein des Wahrnehmenden existiert. Epistemologisch ist er die Anerkennung der Tatsache, dass das Bewusstsein des Wahrnehmenden (des Menschen) Wissen von der Realität durch bestimmte Mittel (Vernunft) in Übereinstimmung mit bestimmten Regeln (Logik) erwerben muss.“ Der Objektivismus, erklärte sie in der Los Angeles Times 1962, befürworte Realität, Vernunft, Selbstinteresse und Kapitalismus. Integraler Bestandteil ihrer Philosophie ist auch eine Theorie der Ästhetik, der sie den Namen „romantischer Realismus“ gab. Kunst sei eine Konkretisierung „metaphysischer Abstraktionen“, schrieb sie. In ihre ästhetische Theorie spiegelt sich auch in ihrer Einschätzung von Atlas Shrugged wider, den sie als ihren „idealen Roman“ bezeichnete, weil er „komplett abgetrennt ist von jeder journalistischen Realität.“ Diese Qualität wies The Fountainhead nicht auf: „Rands ultimatives Ziel als Autorin fiktiver Literatur war es, eine Welt vollständig zu erfinden, unter Aufgabe jeder Anspielung auf tatsächliche Personen oder Ereignisse, und somit war The Fountainhead nicht ihr ‚idealer Roman‘.“

Als Rand 1976 bei einer Vortragsveranstaltung gefragt wird, ob es außer Ayn Rand und Aristoteles noch andere Philosophen gebe, die bedeutende philosophische Wahrheiten identifiziert hätten, erwähnt sie Thomas Aquinas, der am Ende des Mittelalters die Philosophie von Aristoteles nach Europa zurückgebracht habe. Aber auch er stand nur auf den Schultern des größten aller Philosophen: Aristoteles, dem Rand zwar einige Fehler attestiert, aber der in ihren Augen ein philosophischer Atlas ist, der die gesamte westliche Zivilisation auf seinen Schultern trägt. Aristoteles Fehler öffneten seinen Feinden ein Einfallstor, aber dieses Tor wurde durch Ayn Rand für immer geschlossen. Als ihren philosophischen Gegenspieler machte sie den deutschen Philosophen Immanuel Kant aus, dem sie bescheinigt, dass er der „böseste Mensch in der Geschichte der Menschheit“ sei und dessen Philosophie in allen zentralen Punkten das exakte Gegenteil des Objektivismus sei. Was Ayn Rand für Aristoteles ist, ist Kant für Plato: „Kants Philosophie ist Platonismus ohne Paganismus. Ayn Rands Philosophie ist Aristotelianismus ohne Platonismus.“ (Leonard Peikoff, OPAR)

Einzeldarstellungen:

Metaphysik

Epistemologie

Ethik

Politik

Ästhetik